Mittwoch, 9. Februar 2011

Was bisher geschah...

Puh! Lang lang ist's her das hier das letzte mal ein Post erstellt worden ist! Ja ich weiß, zu lange. Erst war es pure Faulheit, dann haben sich die Ereignisse gerade zu überschlagen. Nach Weinachten ging's los. Dieses feierten übrigens ca. 15 Deutsche bei uns in der Bude plus ein paar indische Freunde. Es gab Spaghetti und sogar Geschenke.
Wir wussten, das wir zwischen Weinachten und Silvester aus unsere Bude raus mussten, weil zwei Norweger vorübergehend dort einziehen würden. Das es aber gleich am 26.12 ist, wussten wir nicht, also haben wir Hals über Kopf unseren bereits geplanten Goaurlaub gebucht und bekommen! Ich wusste nicht, wie lange ich nicht zuhause sein sollte. Nicht nur Luis und ich waren dort, ich hab keine Ahnung wie viele Deutsche allein da waren, jedenfalls hab ich nicht mal die hälfte dieser dort getroffen.
Zuerst ging es in ein kleine Hütte ungefähr 3 km von der Hauptstadt Panaji entfernt. Die erste Hälfte des Urlaubs war hauptsächlich zum Feiern gedacht, so verbrachten wir die Silvesternacht in Anjuna Beach, an dem Strand der seine Berühmtheit den ersten Hippieankömmlingen verdankt. Für alle die es nicht wissen, da war ich bereits vor zwei Jahren, dieses mal war natürlich die Hölle los! Diese etwas sehr eigene Kultur die sich in diesem winzigen Bundesstaat entwickelt hat, reizt heute noch Leute aus aller Welt: Neo-Hippies, relativ viele Deutsche, Amis, Engländer, viele traumatisierte israelische Exsoldaten und mehr Russen als Sand am Meer. Ja, man stößt seltsamer weise nicht auf Schriftzüge auf Englisch oder Konkani, der ansässigen Sprache, dem Hindi sehr ähnlich sonder auch auf viel kyrillisches Zeug. Man munkelt, es gäbe sogar eine russische Mafia dort.
Anjuna liegt im Norden Goas, der für seine wilden Parties weltweit bekannt ist. Das war ein Grund für mich am 2.1. sofort in den Süden Goas. Ich bin mir sicher, noch nie so eine eine entspannte, unbesorgte und schöne Zeit gehabt zu haben. Meine guten Freunde aus Karnataka Stephanie und Henriette (auch aus Berlin!) waren in Patnem, also entschied sich ein kleiner Teil unserer riesen Gruppe dort hin zu gehen. Für alle die den zweiten Teil von "Bourne Idendität" gesehen haben: Die erste Szene des Films wurde dort gedreht!
Nach dem Erwerb einer 1A Hängematte befreite ich mich von den zwängen eines Zimmers und schlief ab sofort nur noch unter freiem Himmel, in einem Palmenhain. Keine 15 meter vom Strand entfernt. An dieser Stelle möchte ich davor warnen. In der zweiten Nacht wurde ich mitten in der Nacht geweckt weil  alles wackelte. Dann sah ich das eine Kuh vom Bauern nebenan gerade auf meiner Bauchhöhe sich ihren Kopf an meiner Matte rieb. Ich war geschockt, doch die Kuh zum Glück mehr als ich, respektvoll suchte sie das Weite. Zwei Nächte später weckte mich ein Schmerz. Ein Palmen Ast oder Blatt oder wie auch immer viel auf mich, mit der harten Seite auf mein Gesicht. Nichts desto Trotz ist es unglaublich schön so dort zu schlafen.
Die folgenden Tage hatten einen Hauch von Paradies. Friede, Freude, Eierkuchen wie man hier nicht zu sagen pflegt. Nach dem Aufstehen gab's ein Bananenporrige, einen Kaffee und ein Mangolassi mit Blick auf die Delfine im Wasser. Die Sonne war super heiß doch auf wundersame Weise bekam ich nur einen netten Teint und keinen Sonnenbrand. Zwei mal mieteten wir uns Kanus und fuhren auf das Meer raus. Der Nachbarstrand Palolem war begrenzt von einer Halbinsel Namens "Monkey Island". Natürlich mussten wir sie umfahren! Hinter der Insel gab winzige Strände die kaum auf dem Landweg zu erreichen waren und dort angekommen spielten wir mit den Einheimischen Fussball oder genossen die abgeschiedene Ruhe irgendwo am Arabischen Meer. Beim zweiten mal nahm ich ein Doppel mit Phillip, ebenfalls ein "Hyderabadi". Bewaffnet mit einem Gerstensaft paddelten wir gegen 12 Uhr Mittags zur Spitze der Insel, lichteten unseren Anker, nahmen ein Bad und Genossen das noch kühle Getränk. Wir wollten eigentlich nur eine Pause einlegen, als plötzlich wenige meter neben uns 5-6 Delfine inklusive einem Baby auftauchten. Wir nahmen die Verfolgung auf und hatten ein paar sehr gute Blicke auf diese anmutigen Tiere. Ein Tag, den ich nicht vergessen werde.


Nora, Anneke und ich in der Nachbarbucht.


Gut zu erkennen die Landzunge zwischen Patnem und Palolem, links daneben Monkey Island.

Auf dem Weg nach Hause haben wir noch einen Abstecher nach Bidar, Karnataka gemacht. Dort wohnen Stephie und Henriette. Bemerkenswert ist, das die Stadt einen geschichtlichen und kulturellen Hintergrund hat, der dem Hyderabads sehr ähnlich ist. Auch die Stadt ist starkt durch die Nizams beeinflusst. Auf jeden fall eine Reise wert, da touristisch nicht erschlossen obwohl die Stadt viele Schätze zu bieten hat! Wir liessen uns Zeit, wir hatten noch Ferien und Spass am Reisen.

Dann kamen wir nach Hause und standen unerwartet vor verschlossenen Räumen. Bis zum Ende der Ferien verbrachte ich also meine Zeit bei neu gewonnen Freunden, wo auch immer. Letztendlich war ich eine Woche mit Backpack in meiner "Heimatstadt" unterwegs. Keineswegs eine schlechte Erfahrung, nur gab es Momente, an denen ich um 11 Uhr Abends nicht wusste, wo ich die Nacht verbringe.
Und auch als die Schule wieder los ging waren noch zwei Wochen zu überbrücken. Glücklicher weise kamen wir bei unser Physiklehrerin unter. Es war schön mal wieder in einer Indischen Familie wohnen zu können zu mal wir auch ohne Frage nach Ausgleich mit offenen Armen empfangen wurden und bestens bewirtet wurden. Paradoxer weise kam ich dieser Tamilenfamilie sogar einmal in die Versuchung Hindi- und Telegunachhilfe zu geben. 
Nun geht die Arbeit seit drei Wochen weiter und seit einer bin ich wieder zu Hause. In anderthalb Wochen gibt es hier ein Klassenspiel von Klasse acht, dem zurzeit meine gesamte Aufmerksamkeit gehört. Zwei Tage danach gehts dann schon ab nach "the ran of kutch" in den Gujarat mit Klasse 5. Nächster Post danach!

Mittwoch, 8. Dezember 2010

"Hindi baatkaro" oder auch "Kleider machen Leute" - Ob Inder oder Sahib

Mein lang erwarteter Besuch hat mir jede möglichkeit geraubt, nach meiner letzten Reise einen neuen Post zu schreiben. Froh bin ich deshalb nicht, das Franca und Nina weg sind, aber dafür hab ich wieder Zeit was aus dem fernen Räucherstäbchenland zu erzählen! 
Die beiden haben mich endlich mal dazu gebracht, europäisch bzw. italienisch zu kochen! Zwei lustige Wochen hatten wir, quasi ein Stück zu Hause. Um hier keine Kochrezepte zu schreiben, fang ich einfach bei unserem großen Weinachtsbazar in der Schule an, der letzten Sonntag war. Die ganze Schule wurde umgestylt mit massig Ständen, einer Bühne, Spielen, Aktivitäten und sogar einem Kamel zum drauf reiten. Ich war zuerst bei einem der Essensbuden untergebracht, wurde dann aber zu den Spielebuden degradiert, genau wie Luis. Nina und Franca waren bei den Handarbeitsläden. Das ganze ging den ganzen Sonntag und ca. 700 Leute waren dort u sich bei 30° C mit ner Schale Biriyani  klassische indische Tänze anzusehen. Der Bazar war ein großer Erfolg. Nicht ohne Grund wurde Sloka kürzlich zur zweitbesten Schule Hyderabads und zur fünfzehntbestem in ganz Indien gewählt! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, vor allem wenn man bedenkt, dass das eigentliche Schulgebäude noch nicht mal fertig ist und alles auf non-profit basiert!
Nach der Schule ging es gleich weiter zum nächsten großen Event: Einer "Wedding-Reception". Wir vier fuhren zu Chintan um uns in (indische) Schale zu werfen. Grund war, Der Sohn einer Kollegin hat letzte Woche geheiratet, in Jaipur, Rajasthan. Keine große Sache denk man sich als Deutscher, aber falsch gedacht! Ein riesiger Raum wurde gemietet, der so geschmückt war, dass man denken konnte, goldene Seidenstoffe wären grad im Angebot. Nicht weniger als 3.000 (!) Leute waren geladen, auf einer Bühne stand das Brautpaar in einer Montur der selbst 1001 und eine Nacht-Geschichten nicht würdig wurden. Alle Gäste kommen zu dem Paar, natürlich kennen sich die Leute nicht, wünschen alles gute und bewundern die fluoreszierende Braut neben ihrem Bräutigam, dessen Anzug im Gegensatz zu seiner Frau fast langweilig wirkt.
Die Fotografen reißen sich um ein Foto mit dem Paar und den vier weißen, dann geht's zur Mutter.
Diese, sichtlich von den feierlichkeiten ermüdet: "Schön euch zu sehen! Geht zum Buffet, esst euch satt und geht." 
Das war keinesfalls eine Geste der Unfreundlichkeit, sondern ein Wunsch aus tiefstem herzen.
Das essen war fantastisch, nur war ich erstaunt, das alle unsere Begleiter der Bitte nachkamen und sich schon wieder auf den Weg machten. Nicht nur das, alle Gäste handelten so. Komisch. So ein Aufwand, von Leuten mit AK's bewaffnet bewacht, für 40 Minuten Bauchvollschlagen. 


Die vier Sahibs im Dress.

Am nächsten Tag waren's dann nur noch zwei, wieder mal.
Aber nun zur Überschrift. Es gibt ein Sache, die mir schon lange auf dem Herzen liegt, für die ich nach einer Lösung gesucht hab. Hier in Indien zu sein, bedeutet für mich, so viel möglich von Land, Leute, Kultur usw. zu sehen, zu spüren, zu lernen und zu leben. Aber wie soll das funktionieren, wenn überall auffällt wie ein bunter Hund und immer ein special treatment erfährt, sei es zum eigenen Vor- oder Nachteil? Ich bin nunmal kein stereotyper Inder und werd es auch nicht so schnell werden, zumindest nicht was mein Äußerliches betrifft.
Was also tun, um mein "Indien-erleben" in die Tat umzusetzen? Ich lauf ja schon mit traditionellem Kopftuch rum und lass meinen Bart unrasiert, aber es reicht nicht. Von den Klamotten mal abgesehen.
Diesen Montag hatte ich die Idee, man könnte meinen, ich war in Experimentierlaune. Jeden Montag gegen halb 8 Abends fahr ich nach Naampoli, einer sehr einfachen, historischen und doch armen Gegend um dort meinen Tablalehrer Gajender zu besuchen. Es ist zwar immer anstrengend dort immer hinzufahren da es weit weg ist, der Tag immer hart ist und ich wir erst spät nach Hause kommen, aber ich freu mich jedes mal darauf.
Luis hatte Kopfschmerzen und ich wusste, das ich alleine dort hinfahren werde.
Diese Gelegenheit wollte und musste ich nutzen um mal ganz allein in der Menge unterzutauchen. Also zog ich mir eine lange, schwarze Kurta, einen Schal als Mundschutz für den stinkigen Verkehr und meinen Turban an. Nur meine Größe und meine blauen Augen konnte ich nicht verdecken, aber selbst hier gibts mal grosse Menschen und da es ab sechs Uhr stockdunkel wird, hoffte ich darauf, dass die Augen nicht so auffallen.
Nein, der Turban ist kein festlicher fertig-Turban, sondern ein großes schlichtes Tuch welches richtig gewickelt meine Haare komplett verdeckt, keine Seltenheit hier. Und ja, ich kam mir auch erst komisch vor. Dieses mal wollte ich auch das erste mal mit den Öffentlichen dort hin. Nicht, dass ich die sonst nicht beutze, aber der "127K" ist um diese zeit immer rappelvoll.
Der Bus kam und die Leute hingen wie gewohnt aus beiden Türoffnungen heraus wie überkochende Milch. Ich musste ein paar Meter mit dem nicht wirklich anhaltenden Bus mitrennen, so wie immer, ergatterte aber schnell einen Platz im sicheren Inneren. Ich war sehr nervös! Normalerweise staunen die Leute wenn Weiße mit den "einfachen" Leuten Bus fahren anstatt sich ein bequemes Tuk-Tuk zu leisten. Würde meine Tarnung auffliegen?
Nach dem mir dann 10 Leute auf die Füße getreten sind kam der Ticket-Walla. Ohne zögern brabbelte er mich auf Telugu zu und ich freute mich einen Ast. Er hatte mich nicht erkannt. In meinem wohlgepflegten Hindi sagte ich "Mudschhe Nampoli Station dschana he", drückte ihm 20 Rupien in die Hand und freute mich darauf, die nächsten 45 Minuten im Bus nicht angestarrt zu werden. Doch der Walla durchkreuzte meine Pläne, den er gab mir auf Hindi zu verstehen, dass der Bus nur bis Abyss fährt, und dass er er kein Wechselgeld hat. Auf einen solchen Dialog war ich nicht vorbereitet, ich hatte ihn verstanden, brachte aber nur ein freundliches "Accha, thik he" hervor (In Ordnung, geht klar), nahm mein Ticket und nickte. Er nickte auch und trotz Angstschweiß konnte ich meine Maskerade aufrecht erhalten. Das war priorität!
Ich bekam mein Wechselgeld noch, wurde dann aber an der großen Markstrasse Abyss rausgeworfen. Ich wusste, dass mein Ziel mehr als eine Dreiviertelstunde zu Fuss entfernt lag. Also zog ich die Hindi-Tour beim nächsten Riksha-Walla ab. Auch er schien mich nicht entlarvt zu haben und ich feixte vor mich her. Keiner hatte mich soweit erkannt, auch wenn sie auf meinen Füßen standen. Er machte mir das fairste Angebot seit dem ich hier war und kam zur Nampoli Station.
Mit dem Wissen, als Inder durchzugehen kaufte ich mir noch auf Hindi ein Wasser und kam bei meinem Lehrer voller Euphorie an. Ich hatte mein Ziel mehr als erreicht! Ich bewegte mich auf Indiens Strassen ohne angestarrt zu werden, die Leute verhielten sich völlig normal, redeten nicht in Englisch und machten mir faire Preise.
Nach der Stunde ging's natürlich zurück, diesmal aber mit der Autoriksha. Ich stieg zu einem Fahrer der offensichtlich Moslem war, bei ihm saß ein Freund am Steuer. Wieder regelte ich die Formalitäten in Hindi. Man muss dazu sagen, dass ich fast Akzentfrei Hindi spreche, auch wenn mein Wortschatz jämmerlich ist. Da ich ausserdem sehr gut "Hinglish" spreche und die dieser Patois sich wunderbar mit Hindi vermischen lässt, enstanden kaum Probleme. Auch dieser Fahrer stimmte ein. Die beiden unterhielten sich am Steuer auf Urdu, bis sich der eine umdrehte und mich fragte, ob ich Shiit oder Sunit sei. Ich war völlig perplex, ich reimte mir schnell was zusammen. Die Story, die ich sei ein Sikh aus dem indischen Punjab wurde ohne Zweifel akzeptiert. Ich konnte es nicht fassen. Erst später erfuhr ich, dass es der Tag vor einem Muslimfeiertag sei, an dem alle Shiiten schwarz tragen, so wie ich es tat.
Am Ziel angelangt fragte mich der Beifahrer, der skeptisch war erneut auf Hindi, ob ich Hindi spreche. Ich antwortete sofort " Ha pakka" (Ja sicher) und er gab sich zufrieden. Auch der Fahrer fragte erneut nach Religion, ich müsse doch Shiit sein. Ich konnte nicht mehr. Ich lachte, nahm meinen Turban ab und gab meine Idendität Preis. Zu meinem erstaunen schienen die beiden sichtlich erfreut über die Tatsache, dass ich sie veräppelt hab
Sie strahlten mich an, winkten und riefen mir "baya" (Bruder) zu als sie wegfuhren. Für vier Stunden war ich nun Inder gewesen und hatte einen riesen Spass. Ausserdem glaube ich, meinem Ziel ein Stückchen weit näher gekommen zu sein.

Montag, 22. November 2010

May the forest be with you!

Dies waren die letzten Worte die ich auf auf einem Strassenschild gelesen hab, nachdem ich Almora, den letzten grossen Zivilisationsvorposten im Jeep verlassen hab.
Die Mut hat mich vorher schon verlassen, aber ab dem Moment war ich wieder voll in Himalayalaune.
Aber fangen wir Chronologisch an:
17 Neuntklässler, eine Lehrerin und zwei Freiwillige steigen in Hyderabad in einen Nachtzug der für die nächsten 23 Stunden ihr Gefängniss sein sollte. Das war geplant, den solange dauert es mit dem "Express" nach Delhi. Wie erwähnt find ich die Nachtzüge hier recht lustig, aber dieser war anstrengend. Die Ganze Nacht hat im Bett neben mir ein Baby geschrien und am Morgen erfahren wir das im Waggong neben an ein Baby gestorben ist. Der Zug war nicht gerade in Feierlaune. Aber die Kinder liessen sich zum Glück nicht die Laune nehmen, hier in Indien ist Leben bekannter Maßen für viele ein Drahtseilakt.
In Delhi angekommen wurde gefrühstückt, Kaffe getrunken und dann gings los zum Delhi-Haat! Das ist ein Markt auf dem Waren von überall aus ganz Indien angeboten werden, wo ich mich glücklicher Weise noch mit einer Wollmütze ausgestattet hab. Dann gab's noch ein bisschen Sightseein, aber das kannte ich ja alles schon...
Abends in den nächsten Zug, wieder über Nacht, knapp 12 Stunden. Danach hatte ich keine Lust mehr auf Zug und wollte erstmal nur noch duschen, als mir an dem kleinem Bahnhof mitten in Uttarakhand die kalte Luft den Atem raubte. Sanfte 14°C und ich hab gefroren wie im Kühlschrank. Ich bin hier einfach verwöhnt in Hyderabad. Der Schock war aber auch schnell überwunden, denn sofort sahen wir die weiten Berge die vor uns lagen, wunderschön im Morgengrauen. Dies waren aber nur die Ausläufer eben jener, unser erstes Ziel lag lediglich sechs Autostunden davon entfernt. Ich hatte keine Lust mehr zu reisen! Hier waren dann auch zwei Mütter und Parvez sowie Deepak bzw Deepu dazugestossen, die beiden organisieren zusammen mit Chintan, der Lehrerin solche Reisen unter dem namen "Route Purple"
Alle 24 Leute sind nun in ihre Jeeps gehopst und schon gings los in die Berge.
Die Strassen sind absolute Hammer! Entweder ist die Spur auf Bergseite von einem Erdrutsch verschüttet oder die die Hangseite ist den selbigen heruntergerutscht. Riesige Risse in den noch intakten Strassenabschnitten werden gekonnt ignoriert und so manches mal dachte ich mit samt Auto und Strasse meine "Pilgerfahrt" richtung Tal überfrüht beenden zu müssen.
In Almora gab's Frühstück. dort wurde mir auch offenbart, dass wir uns die nächsten 5 Tage in einer Gegend aufhalten, die nicht nur von Menschen, sondern auch von Languren, Wildschweinen, Schwarzbären und sogar Tigern bewohnt wird. Irgendwie wurde mir mulmig.


Mit guter Laune erreichten wir das erste Lager und Zelte wurden errichtet. Die Bewohner dieser hübschen Hütte versorgten uns mit feinster Vegetarischer Küche. Route Purple folgt dem Prinzip des Ökotourismus: Umweltschonend, Einbindung der Einheimischen wo es bedarf und Sinn macht, alles im "kleinem Stil"- maximal Gruppen von 25 Leuten alle paar Monate.


Schon nach einer halben Stunde erreichten wir einen Punkt, von dem aus wir den besten Blick auf die mit höchsten Himalayas Indiens hatten. Hier Nanda Devi, zweitgrößter Berg Indiens mit 7.434m.

Leider war unsere Gruppe etwas zu langsam um die Planung einzuhalten, weswegen wir danach nur noch in Räumen zu 10 übernachteten. Die Temperatur sink von Tag zu Tag aber die Stimmung in der Gruppe war gut und die Klasse entpuppte sich als nette und einfach zu leitende Gruppe.
Die Wälder dort haben ihren eigenen Charm. Je nach dem auf welcher Bergseite man sich befindet sieht der Wald wie ein Nadelwald oder wie ein Djungel aus. Rododendron wächst dort wie Unkraut und in eine Höhe wie sie aus Deutschland nicht kennt. Die Grossen Languren sahen wir häufig, so wie die grossen Adler dort, nur leider keine Bären oder Tiger. Eines Morgens allerdings lag vor unserem Lager allerdings eine Junge Kuh, bzw das was von ihr übrig war, die über Nacht von einem grossen Raubtier gerissen wurde, soviel haben uns die Knochen verraten. Nicht weit von dort haben wir in der Nacht davor ein Tier im Busch gehört was die Grösse eines Wildschweins oder grösser gehabt haben muss.
Ein bisschen mulmig wurde mir dann schon.
Es gibt echt viel zu erzählen über malerische Landschaften, Tierbegegnungen und schönen Momenten in der Gruppen, aber um hier kein Wall-of-Text zu errichten hör damit besser auf.
Unser Ziel, Jageshwar und der Shiva Tempel war schön und beeindruckend, aber durch Restaurationsarbeiten kein Foto wert. Klar hab ich welche gemacht, an dieser Stelle lieber ein paar Eindrücke der Landschaft!


Landwirtschaft in den Bergen.



Ohne Worte


Ein kleiner Tempel und ein Grosser Baum. Daneben war Camp #2, wo auch die Kuh gerissen wurde.


Und zu guter Letzt v.l.n.r.: Deepu, der Einheimische, Chintan, unsere Sportlehrerin und gute Freundin die organisiert hat, das wir mitdürfen und Parvez, Leiter von Route Purple und notorischer Alleskönner. Ohne ihn wäre die Reise nichts Gewesen.

Heute hatte ich endlich nach sieben Tagen wieder eine Dusche und freue mich jetzt auf eine Nacht im Bett mit Matratze! Morgen hab ich meine ersten Telugu Stunden, ausserdem kommen Nina und Franca zu Besuch!

Sonntag, 7. November 2010

What's the masala?

Endlich hab ich mal wieder die Muße einen Post zu schreiben. Es ist kaum zu glauben, aber hier ist einfach jeden Tag so viel los, dass ich kaum dazu komme! Vorgestern war Diwali. Ein sehr wichtiges Hindu-Fest was ausgiebig gefeiert wird.
Schon letztes Wochenende haben wir deswegen das Wochenende bei Chintan, unsere Sportlehrerin verbracht, da in ihrem Wohnkomplex schon groß gefeiert wurde.
Für Diwali selbst wurden wir mit Einladungen gerade zu überschüttet. Sechs oder sieben Leute haben uns zu ihrer Puja eingeladen, aber angesichts der menge haben wir uns dann für die erste entschieden - die auch von Chintan kam. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Bobby, ein Punjabi und Sikh der auch noch bei Microsoft arbeitet, und die beiden sind unglaublich nette Menschen mit denen wir auch in Zukunft noch mehr machen werden. Das Gästezimmer ist immer frei für uns und sie ist es auch, die nächste Woche mit uns in den Himalaya fährt. Ausserdem wohnen dort auch ihr Sohn Ayan und ihr Neffe Jerek, auch bei uns in Klasse 1 bzw. 3.
Dort hatten wir am Freitag eine Puja, eine Hindu-Zeremonie die vor dem Hausaltar stattfindet. Dann ging es raus und es gab die ganze Nacht Feuerwerk. Diwali ist eigentlich eine nette Mischung aus Weinachten und Silvester, nur dass die Feuerwerkskörper ziemlich gefährlich sind. Aber wir haben alles überstanden. Am Mittwoch wurde auch schon bei uns im Kindergarten gefeiert, es gab Essen, es wurde gesungen (teilweise S. Martinslieder mit neuem Text) und riesige Dias wurden in Farbenfrohen Rangolis erleuchtet:


Leider war ein etwas komisches Licht drum herum. Dieser Rangoli, ein Kreis aus Kreide und Blüten, hatte ca. drei Meter Durchmesser. 
Und auch sonst wurde viel geböllert, viel erleuchtet und alles geschmückt, was sich nicht wehren kann.


Seit letztem Montag bin ich nun endlich auch stolzer Besitzer meiner eigenen Tablas!


Für Alle die es nicht wissen: Es handelt sich um eine indische Fingertrommel, die sehr vielfältig im Klang und in der Verwendung seien kann. Und nach gut zwei Monaten spielen klappt's schon echt gut!

Das war's. Nächsten Sonntag geht's abends nach Uttarakhand. Auf dem weg Hin- und Rückweg haben wir jeweils einen ganzen Tag in Delhi. Dann gibts spätestens wieder was Neues.

Montag, 25. Oktober 2010

Ein Stück Haxn mit Kruste bitte!

Ich hätte mir im Traum nicht vorstellen können, diesen Satz ausgerechnet in mitten ein indischen Großstadt zu sagen.
Wiedermal durch Kontakte haben wir dieses Wochenende Kumar kennen gelernt. Kumar werd ich hoffentlich nicht zum letzten mal gesehen haben! Obwohl er uns nicht kannte, hat er für uns Karten für das Hyderabad Oktoberfest organisiert. Dieses wurde vom Goethe-Institut organisiert, im Taj Krishna, dem teuersten und bekanntesten Hotel der Stadt!
Kumar, geschätzt ende 30, druckt in seiner Firma alle Prospekte des Instituts und hat deshalb aus purer Freundlichkeit vier Freikarten für Malte, Eliana, Luis und mich beantragt.
Die Veranstaltung selbst war in gewisser Weise grotesk: Eine mittelmäßige bayerische Band, ein Koch und trachten wurden extra aus Deutschland eingeflogen. Im Ballsaal des Nobelhotels traf ich dann erstaunlich viele deutschsprachige Inder, denen ich erklären durfte, was "Schunkeln" ist. Als sie dann alle mit Begeisterung loslegten hab ich mich in Grund und Boden geschämt, gleich darauf viel mir allerdings auf, dass das völlig unnötig ist, es gab keinen dort der es auch nur ansatzweise lächerlich fand. Manchmal sind die Inder schon Komisch.
Die Einladung beinhaltete auch kostenlosen Zugang zu allem Essen und zu so viel Bier, wie man wollte. Deusches Bier gab's leider nicht, aber Kingfisher Bier ist durchaus eine vorübergehende Alternative.
Als wir das Essen gesehen haben, hatte ich solche Lust alles davon zu essen, auch wenn ich das in Deutschland nie gemacht hätte. Ohne Sinn und Verstand hab ich mir dann Sauerkraut, Wiener Schnitzel, Käsespätzle, Knödel, Rotkraut, Bratwurst und Haxn reingepfiffen, wobei man sagen muss, dass nur die Haxn wirklich ein Genuss waren. Das für deutsche Küche obligatorische Salz fehlte fast überall und war auch so nicht vorhanden.
Unterm Strich hatte ich allerdings eine Genugtuung nach eineinhalb Monaten mal wieder richtig Fleisch zu essen. Nichts gegen die hiesige Vegetarische Küche, mit der ich mich sehr angefreundet hab.
Wir waren glücklich, wenn auch von deutschen Schlagern genervt, und Kumar war glücklich weil wir es waren. Wir unterhielten uns ewig, und er bot uns an mit ihm aufs Land zu fahren, was er öfters mit deutschen Freiwilligen gemacht hat. Zu meinem Glück ist er auch der erste Mensch hier der meine Leidenschaft für Jazz teilt, und in Zukunft hält er mich auf dem Laufenden was sich in der Szene tut weil er auch da beruflich aktiv ist. Ein richtiger Kumpel-Typ!

Sonst gibt es kaum Neuigkeiten, nur ein kleines Bild aus Kerala für alle die die Fotos von letztem Jahr nicht gesehen haben, diesesmal mit fast noch besserem Wetter.


Ein sehr bespielhaftes Foto vom südindischen Kerala: Schön und vorallem grün!
Für alle die jetzt neidisch sind, ein kleiner Trost: Ihr seid nicht allein ;)

Dienstag, 19. Oktober 2010

Mindestens 2.500 km...

... haben wir in der letzten Woche zurückgelegt. Ein ganz schönes Stück. Die erste Erfahrung auf der Reise war schon mit die wertvollste: Indische Zugfahrt über Nacht, 2. Klasse. Ein Waggon hat ungefähr 10 "Abteile" à 8 oder 9 Leute. Ein langer Gang verbindet sie, Türen, Mülleimer, Bettbezüge und Privatsphäre sucht man vergeblich. Aber es war trotzdem ein riesiger Spaß! Luis und meine Füße hingen in den Gang hinein, die Betten entsprechen eher indischen Standarts und so laufen des Nachts alle Inder mit voller Wucht gegen meine Füße. Das stört die aber kaum, in Indien taucht sowieso immer irgendwo etwas aus dem nichts hervor.
Nach der erheiternden Fahrt waren wir in Chennai, der Hauptstadt von Tamil Nadu, welches sich über die Ostküste bis zur Südspitze erstreckt. Ich war zwar schon letztes Jahr dort, aber erstaunlich ist dieser Bundestaat immer wieder. Kein Mensch spricht Hindi, eigentlich wird nur Tamil gesprochen. Die Menschen dort haben sichtlich wenig mit den "arischen" Indern des Nordens zu tun, hier leben fast nur "Dravidians" und sie sind mächtig stolz drauf.
In Chennai nahmen wir, obwohl es eine recht schöne Stadt am Meer ist, gleich den Bus nach Pondicherry.
Unser Ziel war Auroville, aber wir machten noch einen Stopp in Mamallapuram.
Mamallapuram ist eine alte Tempelstadt, deren Tempel aus einem einzigen Stein gehauen werden.


Ein paar Tempel.


Der "Butterball". Ist wahrscheinlich deshalb heilig, weil er normalerweise den Abhang runter rutschen müsste, dies aber nicht tut.


Backpack-Luis, irgendwo in Tamil Nadu.
Nach insgesamt 6 Stunden Busfahrt waren wir in Auroville. Obwohl mich der Ort schon im Vorhinein fasziniert hat und ich mich sogar dort um eine Stelle beworben hab, hab ich mich von Anfang an nicht so ganz wohl gefühlt. Das System des Sri Aurobindo und der "Mutter" ist interessant, aber zu kompliziert um es hier zu beschreiben.
Ich Eliana hatte durch ihre dort lebende Großtante eine Unterkunft und ich durfte dort auf der Dachterassse schlafen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so gut auf Steinboden schlafen könnte.
Um es kurz zu fassen: Auroville trotz jeder Beschreibung. In den zweieinhalb Tagen hab ich dort vieles gesehen, vom "guten" bis zum "schlechten" Auroville. Über Auroville haben wir viele stürmische Diskussionen geführt, für mich ist der Ort trotzdem suspekt.
Die Umsetzung ist meiner Meinung nach dürftig, viele Aurovillianer haben die Stadt verlassen weil das System einen falschen Weg einschlägt. Mitlerweile ist es ein Kurort für berühmte Inder und die unzufriedenen Bewohner schimpfen die Stadt Architektville, zurecht, denn trotz des Non-Profit haben einige Einwohner Behausungen wo selbst ein Hundertwasser staunen würde.
Aber die Erfahrung die ich Matramandir bekommen hab (ja, wir durften rein!!), und den ein Eindruck den ich von manchen Kommunen hab war sehr positiv!
Auroville ist für mich immer noch ein hitziges Thema und es gibt noch viel darüber zu erzählen. Jeder der noch mehr darüber erfahren möchte oder wissen will, was ich darüber denke, sollte am besten mich direkt fragen, alles andere würde den Ramen des Blogs sprengen.
Da Touristen hier erfahrungsgemäß ungern gesehen sind, hab ich hier keine Fotos gemacht. Nur am Strand hab ich meine Kamera mitgenommen!


Indiens Ostküste in der Dämmerung!


Auch zum Sonnenaufgang sind wir um halb sechs zum Strand gegangen. Die Sonne haben wir nicht gesehen, dafür ungefähr 20 Inder die ihr morgendliches großes Geschäft in den Strand gesetzt haben. Sie waren sichtlich geschockt um diese Uhrzeit von Leuten wie uns dabei gestört zu werden. Wir hatten unseren Spass!

Nach dieser Zeitreise ins Jahr 1968 nahmen wir über Nacht einen Bus nach Kochi. Dabei verbrachten wir ein paar Stunden in der von den Franzosen geprägten Stadt Pondicherry "Pondi". Dort wurde uns erzählt das unser Bus ein Unfall hatte. So standen wir um acht Uhr Abends im Stadtzentrum und wussten nicht mehr was zu tun ist.
Zum Glück fanden wir zwei andere Busse über Coimbatore. Das südindische Festland ist wirklich sehenswert und hat mich wieder mal verzaubert.
Leider hatten wir nur wenig Zeit für Kerala, den Bundesstaat in dem Kochi liegt und so verbrachten wir einen Tag auf den Backwaters und in der lustigen Unterkunft, wo wir abends mit Franzosen, Indern und sogar einem Pärchen aus Berlin indischen Rum tranken. Es war eine Mischung aus Homestay und Tatoostudio, die Atmosphäre war super und alles war bunt bemalt. 
Auch hier hab ich keine Fotos gemacht, denn Kochi kenne ich nun wirklich schon vom letzten Jahr. Nach wie vor ist Kerala ein wunderschöner Ort, mit vielen interessanten Indern und deutschen Touris.

Dann kam die letzte Etappe: Mysore! Die recht kleine Stadt ist das Zentrum des Dasara-Festivals. Mit viel Glück fanden wir ein bezahlbares Hotel und trafen uns dann mit Jana, einer Freiwilligen aus Berlin und anderen. Die Stadt ist erstaunlich sauber und steckte gerade voll in den Vorbereitungen für den grossen Umzug. Definitiv sehenswert, auch ohne Dasara, aber zu viel um alles zu erwähnen. 
Die Stadt war voll von rot-schwarz-orange gekleideten Menschen und alles was nicht bei drei auf dem Baum ist wurde mit drei weißen Streifen oder Blumen gesegnet. 
Hier ein paar Eindrücke von der Parade, für die wir vier Stunden vorher Plätze gesichert haben.


Der Eingang zum Mysorepalast am Tag vor dem Umzug. Abends erhellen 70.000 Lichter den Palast, großartig anzusehen!



Die bunt bemalten Elfanten waren für mich der Hauptgrund nach Mysore zu kommen. Vielleicht waren sie auch ein Grund überhaupt nach Indien zu kommen...


Die Parade ist dem Karneval der Kulturen in Berlin recht ähnlich. Nur sind hier ausschließlich Live-Musiker und Tänzer in farbenfrohen Kostümen. 

Dasara in Mysore kann ich wirklich jedem ans Herz legen! 
Summa summarum war es eine schöne und lohnenswerte Reise. Vielleicht folgen nächste Woche noch andere Fotos von meinen Reisebegleitern und ein paar Videos von mir, das hier ist nur die Spitze des Eisbergs. Mehr beim nächsten Mal...

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Powerbreak

So liebe Leute, einen Post werde ich noch zum besten geben bevor es in den wohlverdienten Dschungelurlaub geht!
Am Samstag geht unser Zug nach Chennai bzw Madras, und ich hoffe, gar nicht erst großartig mit Zivilisation in Berührung zu kommen. Mal sehen.

Unser bescheidenes Heim war wieder mal stark frequentiert dieses Wochenende, diesmal von Malte und einer Freundin von ihm, Steffi, die 3 Stunden entfernt in Karnataka wohnt. Sehr schnell haben wir uns angefreundet, deshalb sind wir offiziell auch bei ihr in der Klosterschule für Mädchen eingeladen - von der Oberschwester höchst persönlich. Wenn das nicht lustig wird dann weiß ich auch nicht. Vier weitere Deutsche  haben wir am Freitag kennen gelernt. Und die Zahl wächst stetig.
Mit der überaus lustige und geselligen Chefin von Malte und Eliana besuchten wir dann ein Künstlerdorf, einen Bücherbasar und so viele andere Orte, ihr habt keine Ahnung was man hier alles erleben kann.
Langsam hab ich mir abgewöhnt in der Stadt meine Kamera mitzunehmen, aus dem einfachen Grund das ich die Fotos auch später mit meinem Besuch machen kann.
So erging es uns gestern auch auf dem Birla Mandir. WOW! Was für ein Ort! Ein riesiger, aus weißem Marmor bestehender Hindu Tempel mitten in der Stadt, direkt neben dem großen See auf dem höchsten Berg der Stadt. Man kann bestimmt 20 Km weit sehen, während man selbst von großen Adlern beobachten wird, die auf den vergoldeten Spitzen sitzen. Als Erfrischung dann ein Schluck Gangeswasser und ein bisschen Zucker.
Ich merke, dass ich hier viel zu viel erlebe um es alles in diesen Blog zu pressen. Nicht so wild, dafür noch ein paar Bilder von meiner Arbeit. Dort hat sich wenig verändert, bis auf die Tatsache das noch eine Freiwillige dazu gekommen ist. Allerdings kommt sie nur einmal die Woche, kommt aus Honolulu und heißt Maggie. Gestern war bei uns "Mini-Bazar", das heißt, Rahmen des Matheunterrichts haben Klasse 6 und 7 einen Bazar veranstaltet, bei dem sie Ein- und Ausgaben koordinieren sollten, eine Speisekarte erstellen sollten usw... Dieses Happening hab ich als Gelegenheit genutzt die ganze Meute mal wieder in Bildern zu verewigen.


Warum fahr ich eigentlich in den Dschungel fragt man sich bei den Bilder. Ich weiß es auch nicht! 
Hier gehts gerade los, groß und klein versammelt sich um die Stände.


Links Luis, in der Mitte Ornob (Unser neuer Kollege, Kunstlehrer, 23 Jahre alt und lustiger Typ! Er kennt ganz Indien und wir vertiefen uns regelmäßig in ausschweifenden Gesprächen) und natürlich Manorama oder Manaka, unsere Mentorin, Allroundtalent und freundliche Gastgeberin. Allesamt am mampfen.


Radha, die kleine alte Frau mit dem großen Bindi (so nennt man diesen Punkt) auf der Stirn. Für alle, die  keine Lust haben bei mir im Kindergarten zu wohnen: Ihr man fährt total auf Couchsurfing ab und hat immer 2 Betten frei. Dort kann man wahrscheinlich gnadenlos authentisches indisches Essen und Familienleben erleben.


Toastbrot und Samosa war das einzigste was ich dort kannte an Essen. Ein Toast kostet dort 10 Rupien, das teuerste war eine Suppe für 20. Trotzdem haben die Kinder mehr als 200€ umgerechnet eingenommen, was sie einstimmig der Schule gespendet haben. Rührend, vorallem wenn man bedenkt, dass die Schule eine der wenigen Non-Profit Organisationen unter den Indische Bildungseinrichtungen ist


Die Lehrer sind fast immer traditionell gekleidet. Links ist Sapna, ein Hindilehrerin. Die in der Mitte ist Handarbeitslehrerin und rechts eine von zwei Telugulehrerinen. Leider weiß ich keinen der Namen, da ihr Englsich dürftig ist und wir selten zusammen arbeiten. 



V.l.n.r.: Hemand der Sportlehrer, Veruu der Werkenlehrer (leider auch nur mäßig in Englisch), nochmal Ornob und Luis. Ornob ist ein echter Unterhaltungskünstler und hat immer eine lustige Geschichte auf Lager.


Alka! Dank ihr kann ich jetzt schon fast das komplette Hindi-Alphabet entschlüsseln. Es macht riesigen Spass, aus diesen Hieroglyphen überall, seien es Werbetafeln oder Ähnliches irgendwelche lustigen Wörter zu lesen, auch wenn mein Wortschatz noch gering ist. Aber die Basics haben wir beide drauf und selbst die Aussprache der verschiedenen D-, T-, G-, P-, J- und SCH-Laute verbessern sich von Tag zu Tag! Man rühmt uns mit den durchaus beachtlichen Fortschritten, denn neben dem täglichen Unterricht lernen wir auch jeden Tag zu Hause. Diese Sprache hat meinen Ehrgeiz geweckt, leichte Konversationen sind bereits möglich! 
Sie selbst hat uns gestern freundlich bei sich zu Hause aufgenommen. Ihren Sohn Yash kennen wir auch bereits und auch dort haben wir Gastfreundschaft vom feinsten erlebt.


Auch die Schattenseiten der Kultur sind hier nicht zu Übersehen. Viele dieser Frauen leben auf dem Gelände, alle arbeiten dort. Es geht ihnen zwar besser als den meisten Bediensteten hier, aber viel verdienen sie nicht und bis auf die neuste Generation ihrer Familien sind sie bildungsfern durchs Leben gegangen. Immerhin ihre Kinder oder Enkelkinder gehen teilweise auf Schulen. In der Regel sprechen sie nur Telugu, nur manche können Hindi. Und obwohl sie auf dem Bazar wie auch jeden Tag zu Mittag kostenlos Essen bekommen sind sie immer fernab der Gesellschaft. Nur zu deutlich hier zu erkennen.


Die Gunst der Stunde hab ich genutzt um dieses malerische, menschenleere Bild unseres Innenhofes vom "Lehrerzimmer" aus zu machen.
Wie gesagt, der nächste Post kommt wahrscheinlich erst in zwei Wochen. 
Schön zu hören, dass es allen gut geht und schön zu sehen, dass immer noch so viele Leute den Blog lesen (Blogspot bietet viele Besucherstatistiken). Gestern wurde der Blog zum 1.000. mal aufgerufen! Juchu!