Eigentlich könnte ich meine Rucksack gleich gepackt lassen. Gestern nach der Schule nahmen wir einen anderen Bus um damit Secundarabad zu erkunden. Unsere Kollegin Jyotsna hat uns zu sich eingeladen und zeigt uns Secundarabad! Sie zeigte uns den großen Bazar.
Da wir mit einer Inderin unterwegs waren und viele Besorgungen machen mussten, auch für die Schule, sind wir stundenlang in die vielen kleinen Läden ein und aus gegangen: Einen Second-Hand Werkzeugladen um 20 Kilo Gartenwerkzeuge zu holen, einen Musikladen um Fußketten mit Glocken dran für den Tanzunterricht und auch etliche Stoffläden um Klamotten zu holen!
Da uns nichts von den Klamotten überzeugt hat, haben wir uns einfach Stoff gekauft um damit zu Joytsna Schneider zu gehen. Für den Stoff und das Maßschneidern einer Hose und eines Hemdes hab ich ungefähr 15€ gezahlt.
Später waren wir bei ihr und wurden quasi mit Bier und Whisky überschüttet. To all the Students: Jyotsna doesn't drink at all! Ihr Mann ist ein etwas älterer, sehr amüsanter Hindu der uns unbedingt hier verheiraten möchte, wir haben viel gelacht. Hier wurden wir echt gepudert und jeder Versuch sich ansatzweise zu revanchieren wurde mit einem fast beleidigten "NO!!" abgelehnt.
Endlich haben wir auch unsere ersten Zug gebucht! Am 9. Oktober gehts für 9 Tage von Auroville über Kerala nach Mysore! Mit Malte und Eliana, zwischendurch treffen wir noch andere Freiwillige, näheres in zwei Wochen...
Der nächste Ausflug ist dann mit höchster Wahrscheinlichkeit am 14. November für 6 Tage zum Wandern in den Himalya, mit Klasse 9. @Nina & Franca: Danach könnt ihr mit mir rechnen!
By the way: Mittlerweile hat sich mein Bauch an jedes Abenteuer hier gewöhnt. Und ja, wenn man hier barrierefrei essen will, dann kommt man zwangsweise mit Sachen in Verbindung, die so scharf sind, das es einem die Hosen auszieht! Die Gegend ist nicht umsonst die für ihre Schärfe bekannt. Seid gewarnt!
Donnerstag, 30. September 2010
Montag, 27. September 2010
Neue Entdeckungen, neue Freunde und viel Brimborium
Der letzte Post ist gar nicht so lange her und trotzdem hätte ich seit dem jeden Tag einen schreiben müssen!
Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus, so viel passiert hier! Am besten, ich fang chronologisch an:
Freitag. Nach kurzen Absprachen war klar, dass wir uns dieses Wochenende mit anderen Freiwilligen treffen werden. Sehr hab ich mich darauf gefreut, Juli, die wir an der Polizeistation kennenlernten sowie Eliana und Malte, die Freiwilligen der anderen Waldorfschule hier wollten uns besuchen und so lang bleiben wie es geht. Sie waren es, die wir zum Charminar begleiteten.
So nebenbei wird uns zeitgleich in der Schule erzählt, dass wir natürlich auch an Klassenfahrten teilnehmen können! Aber was für welche! Noch steht nicht fest ob wir überall hin mitkommen und wer was bezahlt, die Kosten lägen immer bei circa 150€ für jeweils zehn Tage entweder Delhi & Ganges Kultur-Tour, Himalaya-Trekking oder Hampi & Umland. Ich weiß nicht, was mich davon am meisten reizt...
Am Freitag kamen wir nach Hause und wurden von der guten Seele des Hauses, Ramesh, mit einem Exemplar der Teluguzeitung "Eenadu" ausgestattet!
Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus, so viel passiert hier! Am besten, ich fang chronologisch an:
Freitag. Nach kurzen Absprachen war klar, dass wir uns dieses Wochenende mit anderen Freiwilligen treffen werden. Sehr hab ich mich darauf gefreut, Juli, die wir an der Polizeistation kennenlernten sowie Eliana und Malte, die Freiwilligen der anderen Waldorfschule hier wollten uns besuchen und so lang bleiben wie es geht. Sie waren es, die wir zum Charminar begleiteten.
So nebenbei wird uns zeitgleich in der Schule erzählt, dass wir natürlich auch an Klassenfahrten teilnehmen können! Aber was für welche! Noch steht nicht fest ob wir überall hin mitkommen und wer was bezahlt, die Kosten lägen immer bei circa 150€ für jeweils zehn Tage entweder Delhi & Ganges Kultur-Tour, Himalaya-Trekking oder Hampi & Umland. Ich weiß nicht, was mich davon am meisten reizt...
Am Freitag kamen wir nach Hause und wurden von der guten Seele des Hauses, Ramesh, mit einem Exemplar der Teluguzeitung "Eenadu" ausgestattet!
Dann trafen wir uns mit Juli. Wir zeigten ihr Jubilee Hills und hatten einen lustigen Abend. Da sie nicht zurück nach Secunderabad wollte, einer Stadt die Hyderabad quasi verschlungen hat, durfte sie als Erste unser Gästezimmer testen. Sie wurde gegen Mittag von Eliana und Malte abgelöst.
Zu viert hatte ich für meinen Teil bis jetzt das mit Abstand beste Wochenende!
Endlich konnten wir Munchkin spielen, gingen ins Restaurant und bestellten eine große Auswahl Chutneys und Currys die wir dann teilten. Wir alle verstanden uns blendend.
Auf unserem Balkon des Gästezimmers saßen Malte und ich bis Sonntag morgen um 6 Uhr mit einer riesigen Menge Gesprächsthemen und mindestens genau so viel Wodka-Mango.
Unser Frühstück bestand aus einer riesigen Schale selbst gemachtem Fruchtsalat der jeden hier 50 Rupien kostete (70R=1€) mit Papaya, Ananas, Honigmelone, Äpfeln und Sweetlimes. Super lecker, viel und billig.
Mit den beiden trauten wir uns dann, das letzte Stockwerk zu erkunden, welches bis immer abgeschlossen war: Das Dach.
Dieser Ort wird mein eigentlich Zimmer werden. Unser Dach, mit einer zusätzlichen Erhöhung 2,5 Stockwerke hoch ist komischer Weise der zweithöchste Punkt von Jubilee Hills, wenn nicht sogar darüber hinaus. Die Aussicht ist atemberaubend, fast 360° Stadt- und Berghorizont in weiter Ferne, selbst der Monsun wird hier zum Theaterschauspiel. Dort verbrachten wir einen tollen Sonntag Nachmittag.
Unser Ausblick. Luis und ich hoffen, irgendwann in den sicherlich vorhandenen Pool unserer reichen Nachbarn steigen zu können, die in dem unübersehbaren weißen Haus wohnen, die sogar Rasen auf dem Balkon haben
Bauruinen und Steintürme, die natürlichen Ursprungs sind und den Teil der der Deccanebene schmücken, in dem unser Arbeitsplatz liegt. Magisch!
Die Aussicht bei Nacht und das Monsun-Gewitterschauspiel. Ansonsten ist die Skyline erleuchtet, ab und zu gibt es Feuerwerk. Dazu Hundegeheule, Muezingesänge und Fledermäuse mit einer Spannweite fast so lang wie mein Arm. Sehr facettenreich!
Zu guter letzt noch Eliana,...
...Malte und Luis. Natürlich mit dem obligatorischen 650ml Kingfisherbier. Ja wir haben auch einen Schnapsladen um die Ecke und dieses Wochenende wurde dieser zum ersten mal besucht.
Die beiden werden nun des öfteren bei uns ihr Wochenende verbringen. Ich freu mich sehr darüber, da wir uns in kurzer Zeit sehr gut befreundet haben!
Theoretisch können wir morgens dann am selben Ort auf unsere Schulbusse warten, deren kommt fünf Minuten früher. Ein glücklicher Zufall!
Auch haben wir neue Ideen zusammen Entwickelt. Zu viert planen wir an unseren Schulen Stein- oder Lehmöfen zu bauen, ausserdem spiele ich mit dem Gedanken eventuell mit den Kindern ein "Agua de beber" Arrangement auf die Beine zu stellen.
So langsam kennen wir auch die Schüler hier, vor allem die aus dem Bus. Darunter ist ein kleines Mädchen aus der zweiten Klasse namens Raga die wohl gut und gerne als süßestes Mädchen der Welt gelten kann. Die kleine hat irgendwie einen Narren an mir gefressen, malt im Bus Bilder von mir, läuft mir auf dem Hof hinterher und setzt sich im Bus neben mich und legt sich zum schlafen auf meine Oberschenkel.
Durch diese Nähe weiß ich auch sehr viel über sie. Heute hab ich sie gefragt, welche Religion sie denn hat und sie sagte, ich solle raten.
"Hindu?"
"No."
"Moslem?"
"No."
"Christian?"
"No."
Das Spielchen ging durch alle möglichen Religionen bis sie sagte "Noooo what's up with you?? I'm Hyderabadi!!!
Zuerst dachte ich, sie will mich veräppeln, doch sie meinte es ernst. Ich find das eine sehr tiefgründige Aussage die man nicht von einer 1,3 Meter großen Siebenjährigen mit Piepsstimme erwarten würde, aber es steckt mehr als ein Fünkchen Wahrheit darin!
Eins noch, das beste zum Schluss. Als ob Zeitung nicht schon genug wäre, kam heute unsere Chefin auf Arbeit zu Luis und mir, wir sollen doch heute Abend zu Hause bleiben, da ein Kamerateam kommt die eine Dokumentation über uns drehen will... Ich dachte ich spinne. Als sie dann 3 Stunden früher als geplant zu uns kamen waren Luis und ich gerade auf dem Dach ausgeschlossen weil wir unsere 15 Minuten meditieren wollten.
Wir wurden interviewt und unsere Chefin saß mit strahlenden Augen daneben weil wir uns im größten Telugusender der Welt so positiv über ihre Schule äußerten. Der Sender ist nicht nur der bekannteste Sender Andhra Pradesh's sondern versorgt beispielsweise auch in den USA die größte indische Volksgruppe mit Nachrichten. Immerhin 2,5 Millionen Menschen sind das allein dort. Am Mittwoch werden die uns dann noch auf Arbeit filmen. Wann es ausgestrahlt wird weiß ich noch nicht.
Puh! Ganz schön viel! Aber wenigstens hat sich die Frage ob's mir gut geht bei so viel positivem Input erledigt.
Donnerstag, 23. September 2010
Stadtbekannt wie Ganesha
Gerade Vorgestern hab ich mich noch gefreut, wie selten hier die sonst üblichen Stromausfälle vorkommen. Dann kam ich nach Hause und schon war zwei Tage lang Strom Mangelware und unser Modem hat das nicht überlebt, doch jetzt ist wieder alles in Butter.
Genauso dachte ich, ich hätte die heiße Phase des Krankwerdens überstanden, und schupp hab ich den Dienstag doch im Bett verbracht wegen Bauchschmerzen. Auch dieses Problem hat sich Gott sein Dank erledigt.
Also konnten wir in Ruhe Gestern das große Schauspiel Beobachten. Zuerst trafen wir uns mit Nirmala, unserer Chefin, die uns jetzt einmal Wöchentlich zum "Ofen", der Schweitzer Bäckerei einladen will. Sie meint, dass tuht uns gut und ich sehe das auch so. Nur über die Lasagne dort lässt sich streiten. Egal.
Danach brachten sie uns zum Hussain Nagar, dem See, wo das Fest stattfand.
"You want to come with us?"
"Noooooooo never again! Its toooooo crowded!!"
Also waren wir auf uns alleine gestellt. Hier ein paar Eindrücke:







Genauso dachte ich, ich hätte die heiße Phase des Krankwerdens überstanden, und schupp hab ich den Dienstag doch im Bett verbracht wegen Bauchschmerzen. Auch dieses Problem hat sich Gott sein Dank erledigt.
Also konnten wir in Ruhe Gestern das große Schauspiel Beobachten. Zuerst trafen wir uns mit Nirmala, unserer Chefin, die uns jetzt einmal Wöchentlich zum "Ofen", der Schweitzer Bäckerei einladen will. Sie meint, dass tuht uns gut und ich sehe das auch so. Nur über die Lasagne dort lässt sich streiten. Egal.
Danach brachten sie uns zum Hussain Nagar, dem See, wo das Fest stattfand.
"You want to come with us?"
"Noooooooo never again! Its toooooo crowded!!"
Also waren wir auf uns alleine gestellt. Hier ein paar Eindrücke:
Da ist das Geburtstagskind. Schon auf dem Hinweg an jeder strassenecke zu sehen, auf dem Weg zu seinem letzten Bad.
Eine grosse Brücke ist zu überqueren weil alle Strassen gespert sind. Hier ein nettes Beispiel wie gepflegte Parklandschaft und rumplige Strassen Seite an Seite liegen.
Zur Feier des Tages verkaufen die Leute Scheiben einer Palmenartigen Holzart. Noch weiß ich nicht worum es sich handelt, hab's aber trotzdem gegessen. Schmeckt lecker, fast wie Kokosnuss.
Der erste Tempel der Stadt im Südindischen Baustil den ich gesehen hab. Nicht die netteste Umgebung, aber ich find die Dinger super!
Das erste mal konnte ich den tollen Panoramamodus meiner Kamera unter Beweis stellen. Hier seht ihr ungefähr ein Drittel des Hussain Nagar.
Öffentlich Veranstaltungen bieten viel Raum für politische Agitation. Irgendwie hat mich das Kind mit der Fahne interessiert. (Ich meine damit das Ding in der Hand, bevor ich mir wieder irgendwelche zweideutigen Witze anhören muss...)
Mit riesigen Lastkränen werden die meterhohen Statuen in das umzäunte Modderloch gehoben. Zum reinschmeißen scheinen aber selbst die kleinen Elefanten zu schade zu sein. Nein, ich weiß nicht warum sie das tun, aber daran hab ich mich so langsam hier gewöhnt.
Auf diese Weise wird der Publikumsheld von Überall angefahren. Seine Existenz verdankt er im übrigen seiner Mutter Parvati, Shivas Gattin, die sich beim waschen die Hautschuppen vom Körper rieb, ihn daraus formte und ihm mit Gangeswasser leben einhauchte. Shiva, erbost über die plötzlich Vaterschaft hackte dem Jungen kurzer Hand den Kopf ab. Parvati hatte aber die Hosen an und befahl Shiva, einen neuen Kopf für den Familienzuwachs zu finden. Das erste Lebewesen, dass Shiva fand, war ein Babyelefand der dann wortwörtlich den Kopf für einen Gott hinhalten musste. Alle angaben ohne Gewähr, es gibt zich verschiede Versionen dieser Geschichte. Diese gefiel mir am besten.
Aber die Leute lieben ihn, er verkörpert so ziemlich alles was man sich wünscht.
Irgendwie muss ich bei dem Bild an GI's im Irak denken...
Für 100 Rupien gings zurück nach Hause, einmal quer durch die Stadt im Tuk-tuk (hier Innenleben). Irgenwann hatten wir die Nase voll von den ganzen Indern, die ihre Nasen in unsere kameras drückten. Wir waren die einzigsten "Weißen" dort, und ja, es nervt irgendwann.
Die eigentlich Entscheidung zu gehen fiel, als wir von einer Meute mit Kameras bewaffneter Inder ins Visier genommen wurden.
Der Lacher heute, am Tag darauf, war dann der, dass zwei der Kiddies aus der dritten Klasse uns Fotos aus einer Zeitung in Telugu unter die Nase hielten, die frontal nur Luis und mich zeigten. Leider haben wir es nicht geschafft so eine Zeitung aufzutreiben, da ich mit dem Telugu-Kauderwelsch herzlich wenig anfangen kann. Mal sehen, vielleicht morgen... Ich wüsste zu gern, was die in dem Artikel geschrieben haben!
Montag, 20. September 2010
Götterdämmerung
Mittlerweile hab ich mir angewöhnt, jeden Tag einen Abendspaziergang zu machen. Das hat viele Vorteile! Zum einen hab ich die Möglichkeit, nötige Besorgungen zu machen, ein Dose indische Cola "Thumbs Up" zu trinken um dem Durchfall vorzubeugen (Es klappt!!) und natürlich um mich zu Bewegen ohne angestarrt zu werden, den es ist ja dunkel. Da Luis das gröbste überstanden hat, kam er auch mit, war er doch latent krank die letzten Tage.
Aber heute war es ein bisschen anders als sonst...
Puja! Wie bereits erwähnt ist die Ganesh Chaturthi bereits im Gange, doch sein Geburtstag ist erst am Mittwoch. Dennoch fangen die Leute bereits an zu feiern. Wir gingen die Strasse runter und die Nacht wurde regelmäßig taghell beleuchtet durch Blitze eines weit entfernten Gewitters. An der Hauptstrasse konnte man aus zwei verschiedenen Richtungen Trommeln hören. WIr liefen zum Supermarkt, denn ich brauchte noch Aftershave und Schokolade. Bei der grossen Mall stand ein Traktor, der eine zwei Meter grosse Statue des Elefantengottes hinter sich zog. Davor eine Gruppe Trommler die sofort mein Interesse weckten. Die spielten irgendein polyrhythmisches Zeug, regelrecht "würzig" (ein Adjektiv, was man hier durchaus öfter benutzen kann hehe).
Daneben war einer Gruppe Hindus mit orangenen Stirnbändern die sich in einer Weise zu der hypnotisierenden Musik bewegten, die fern ab von von Disco und Bollywood ist, was sonst der Fall ist. Ein sehr schöner Anblick im Halbdunkeln, bis einer dem Männer wortwörtlich aus der Reihe tanzte und beinahe ein Schlägerei provozierte. Wir entschieden, in den Supermarkt zu gehen.
Der Rückweg gestaltete sich schwieriger als sonst. Eine grosse Strasse müssen wir auf dem Rückweg überqueren. Diese ist dreispurig, was in Indien aber als fünfspurig gilt. Diese war heute rappelvoll und meine alltägliche Gelassenheit verließ mich doch, aus Angst, der allgemeine Rausch könnte Hemmung vor Unfällen mindern.
Plötzlich tauchte neben uns ein alter Sadhu - ein alter Weiser Hindu - auf. Er trug eine orangene Robe und ein blaues Tuch, knallige Farben. Dazu einen Beutel und einen goldgefärbten Wanderstock. Ein langer grauer Bart und lange grauer Haare mit einem kleinen Dutt zierten seinen dunklen faltigen Kopf. Er war so in den Siebzigern, seine Ausstrahlung hätte im aber auch erlaubt, sich 300 Jahre alt zu schimpfen. Diese Männer gelten in Indien als heilig, so die Übersetzung Sadhu, und entsprechen dem westlichen Stereotypen "Guru". Er blickte zu mir auf und brabbelte irgendwas in einer Sprache die kein Mensch verstand. Diese Leute pflegen es, Jahrzehnte lang von Pilgerstätte zu Pilgerstätte zu pilgern. Er hätte als auch aus dem Himalaya kommen können oder aus Südindien - wer weiß das schon. Aber er hatte was auf dem Kasten!
Er wollte über die selbe Strasse und wir trafen uns in der Mitte. Mit der Eleganz eines gelähmten Maulwurfs wackelte er über die Strasse ohne auch nur eine Notiz von den 4 Millionen Autos zu nehmen deren Wege er scheinbar gar nicht kreuzte. Wesentlich schneller als wir kam er über die Strasse und schlug den selben Weg ein wie wir.
Als er dies bemerkte, drehte er sich erneute zu uns und fing erneut an zu brabbeln. Er machte eine Geste, die ich beinahe erwartet hab: Er bettelte nicht, wie die meisten (hier ofts Leute mit abgetrennter Hand), um Geld, sondern um Essen. Aus lauter Ehrfurcht gab ich ihm mein gerade erstandenes KitKat, was ihn zufrieden stellte. Leider hab ihn damit auch als Hochstapler entlarvt, den ein richtiger Sadhu entsagt jeglichem Genuss. Sei's drum.
Das Gewitter, das Getrommle, die Tänzer, der Sadhu - All das zeigt mir erneut, wie viel Magie und Mystik in diesem Ort steckt, selbst wenn es sich um eine hektische Riesenmetropole handelt. Mich hat's fasziniert!
Aber heute war es ein bisschen anders als sonst...
Puja! Wie bereits erwähnt ist die Ganesh Chaturthi bereits im Gange, doch sein Geburtstag ist erst am Mittwoch. Dennoch fangen die Leute bereits an zu feiern. Wir gingen die Strasse runter und die Nacht wurde regelmäßig taghell beleuchtet durch Blitze eines weit entfernten Gewitters. An der Hauptstrasse konnte man aus zwei verschiedenen Richtungen Trommeln hören. WIr liefen zum Supermarkt, denn ich brauchte noch Aftershave und Schokolade. Bei der grossen Mall stand ein Traktor, der eine zwei Meter grosse Statue des Elefantengottes hinter sich zog. Davor eine Gruppe Trommler die sofort mein Interesse weckten. Die spielten irgendein polyrhythmisches Zeug, regelrecht "würzig" (ein Adjektiv, was man hier durchaus öfter benutzen kann hehe).
Daneben war einer Gruppe Hindus mit orangenen Stirnbändern die sich in einer Weise zu der hypnotisierenden Musik bewegten, die fern ab von von Disco und Bollywood ist, was sonst der Fall ist. Ein sehr schöner Anblick im Halbdunkeln, bis einer dem Männer wortwörtlich aus der Reihe tanzte und beinahe ein Schlägerei provozierte. Wir entschieden, in den Supermarkt zu gehen.
Der Rückweg gestaltete sich schwieriger als sonst. Eine grosse Strasse müssen wir auf dem Rückweg überqueren. Diese ist dreispurig, was in Indien aber als fünfspurig gilt. Diese war heute rappelvoll und meine alltägliche Gelassenheit verließ mich doch, aus Angst, der allgemeine Rausch könnte Hemmung vor Unfällen mindern.
Plötzlich tauchte neben uns ein alter Sadhu - ein alter Weiser Hindu - auf. Er trug eine orangene Robe und ein blaues Tuch, knallige Farben. Dazu einen Beutel und einen goldgefärbten Wanderstock. Ein langer grauer Bart und lange grauer Haare mit einem kleinen Dutt zierten seinen dunklen faltigen Kopf. Er war so in den Siebzigern, seine Ausstrahlung hätte im aber auch erlaubt, sich 300 Jahre alt zu schimpfen. Diese Männer gelten in Indien als heilig, so die Übersetzung Sadhu, und entsprechen dem westlichen Stereotypen "Guru". Er blickte zu mir auf und brabbelte irgendwas in einer Sprache die kein Mensch verstand. Diese Leute pflegen es, Jahrzehnte lang von Pilgerstätte zu Pilgerstätte zu pilgern. Er hätte als auch aus dem Himalaya kommen können oder aus Südindien - wer weiß das schon. Aber er hatte was auf dem Kasten!
Er wollte über die selbe Strasse und wir trafen uns in der Mitte. Mit der Eleganz eines gelähmten Maulwurfs wackelte er über die Strasse ohne auch nur eine Notiz von den 4 Millionen Autos zu nehmen deren Wege er scheinbar gar nicht kreuzte. Wesentlich schneller als wir kam er über die Strasse und schlug den selben Weg ein wie wir.
Als er dies bemerkte, drehte er sich erneute zu uns und fing erneut an zu brabbeln. Er machte eine Geste, die ich beinahe erwartet hab: Er bettelte nicht, wie die meisten (hier ofts Leute mit abgetrennter Hand), um Geld, sondern um Essen. Aus lauter Ehrfurcht gab ich ihm mein gerade erstandenes KitKat, was ihn zufrieden stellte. Leider hab ihn damit auch als Hochstapler entlarvt, den ein richtiger Sadhu entsagt jeglichem Genuss. Sei's drum.
Das Gewitter, das Getrommle, die Tänzer, der Sadhu - All das zeigt mir erneut, wie viel Magie und Mystik in diesem Ort steckt, selbst wenn es sich um eine hektische Riesenmetropole handelt. Mich hat's fasziniert!
Sonntag, 19. September 2010
Road #25, Jubilee Hills
Das Wochende ist vorbei! Heute waren wir bei Manorama, einer netten Kollegin zum essen eigeladen. Bei der Gelegenheit wurden wir auch gleich zur ersten indischen Hochzeit eingeladen, oder zumindest zu deren Vorfeier, die Zeremonie wird dann in Jaipur sein.





Das mit dem Kennenlernen und dem eingeladen Werden geht hier so rasant, man kann's sich kaum vorstellen...
Doch neben dem ganzen Kennengelerne, dieses Wochende hauptsächlich Amis, habe ich die Zeit genutzt ein bisschen die Gegend zu erkunden, mir wichtige Wege einzuprägen und die wichtigsten Institutionen in der Umgebung zu checken.
Zu meinem erstaunen hab ich gleich 2 Parks gleich um die Ecke entdeckt! Der eine ist etwas kleiner aber schöner, der andere sehr groß und mit wunderbarem Blick auf die halbe Stadt, dafür aber auch mit vielen Obdachlosen gespickt die ein quasi überrennen wenn man nicht vorher lang genug auf der Sonnenbank saß. Naja, mal sehn wie ist, ob ich ungestört da ein wenig zeit verbringen kann. Viele Menschen sind dort nicht.
Leider hab ich keine Fotos davon bis jetzt gemacht, aber dafür hab ich ein paar andere, um einen kleinen Einblick in die Umgebung zu bekommen...
Unser Schulbus! Oder besser einer von vielen. Schön in gelb so wie fast jeder Schulbus hier. Steht direkt vor dem Eingang ins Haus.
Tata! (Zu deutsch: Alter Mann) Und seine Frau. Die beiden leben hier im Haus und er ist sozusagen Nachtwächter. Spricht ausschliesslich Telugu, aber seinem Dauergrinsen nach scheint er mich zu mögen.
Raus aus dem Gelände, Blick nach rechts und man sieht diese idyllische Strasse die nicht zur Hauptstrasse aber zum grossen Park führt.
Geht man Links entlang hat man einen kurzen Moment diesen Ausblick auf die Stadt, liegt ja aufm Berg...
Nach einer Rechtskurve ist dies der Abstieg zur Haupstrasse.
Bis heute wurde dort etwas weiter unten Ganesh wie wild gefeiert und natürlich gabs auch was zu essen, auf uns wurde was süßes angeboten, wovon ich allerdings kaum was essen konnte, einfach zu süß. Alle Leute aus der Strasse, ob arm oder reich und vorallem Kinder haben hier jeden Tag unter lauter Mantra-Musik diese sehr kleine Statue gefeiert.
Und zu guter letzt ein sehr schönes Bild, dessen Inhalt a) völlig zwecklos ist und b) meine noch missliche Lage in Bezug auf Musik ironischer Weise direkt aufgreift...
Demnächst mehr von den Parks und hoffentlich vom Zuwasserlassen der riesigen Ganeshstatuen und den Paradezügen am Mittwoch!
Freitag, 17. September 2010
Residental Permit!
Endlich haben wir sie: Die Aufenthaltsbestätigung/Genehmigung! Vier Tage unserer kostbaren Zeit hat sie uns geraubt, aber jetzt müssen wir erstmal nicht mehr zur Polizei.
Das ganze hatte aber auch was gutes an sich: Dadurch, dass alle Fremden sich dort registrieren müssen, trifft man die dort auch zwangsläufig, vor allem wenn man vorhat den selben Zeitraum in Hyderabad zu bleiben. Hier hab ich Kontakt mit zwei Deutschen, zwei Englenderinnen und einem Äthiopier geknüpft.
So wies aussieht gibts hier doch wesentlich mehr Westler als ich dachte, vor allem Freiwillige Deutsche in unserem Alter.
Jetzt ist erstmal Wochende. Auf Luis und meine Initiative hin ist heute, nachdem die Kinder nach Hause gegangen sind, ein Kammerjäger gekommen. Der hat überall Kackerlackengift ausgelegt. Als ich sah war ich skeptisch, einer seiner Mitarbeiter sah aus wie 14 und er selbst sah so aus, als würde er Geld dafür bekommen, Zahnpasta in fremde Wohnungen zu schmieren. Doch nun ist tatsächlich das passiert, wovor man uns gewarnt hat: Die Viecher kommen aus ihren Ecken gekrochen, dahin wo man sie gut sieht und segnen dann das Zeitliche. damit auch leichte Gemüter weiterhin meinen Blog lesen, werde ich kein schönes Foto davon veröffentlichen. Aber ich kann euch sagen, dass ich bei einem flüchtigen Blick über den Küchenboden und in zwei Küchenschränke bestimmt 15 Leichen ausgewachsener Biester gesehen hab. Komischer Weise liegen die dann immer auf dem Rücken, vielleicht haben die zu viel Kafka gelesen...
Damit ihr alle heute Nacht keine Alpträume bekommt, hier ein Bild von unserer Einfahrt!
Das ganze hatte aber auch was gutes an sich: Dadurch, dass alle Fremden sich dort registrieren müssen, trifft man die dort auch zwangsläufig, vor allem wenn man vorhat den selben Zeitraum in Hyderabad zu bleiben. Hier hab ich Kontakt mit zwei Deutschen, zwei Englenderinnen und einem Äthiopier geknüpft.
So wies aussieht gibts hier doch wesentlich mehr Westler als ich dachte, vor allem Freiwillige Deutsche in unserem Alter.
Jetzt ist erstmal Wochende. Auf Luis und meine Initiative hin ist heute, nachdem die Kinder nach Hause gegangen sind, ein Kammerjäger gekommen. Der hat überall Kackerlackengift ausgelegt. Als ich sah war ich skeptisch, einer seiner Mitarbeiter sah aus wie 14 und er selbst sah so aus, als würde er Geld dafür bekommen, Zahnpasta in fremde Wohnungen zu schmieren. Doch nun ist tatsächlich das passiert, wovor man uns gewarnt hat: Die Viecher kommen aus ihren Ecken gekrochen, dahin wo man sie gut sieht und segnen dann das Zeitliche. damit auch leichte Gemüter weiterhin meinen Blog lesen, werde ich kein schönes Foto davon veröffentlichen. Aber ich kann euch sagen, dass ich bei einem flüchtigen Blick über den Küchenboden und in zwei Küchenschränke bestimmt 15 Leichen ausgewachsener Biester gesehen hab. Komischer Weise liegen die dann immer auf dem Rücken, vielleicht haben die zu viel Kafka gelesen...
Damit ihr alle heute Nacht keine Alpträume bekommt, hier ein Bild von unserer Einfahrt!
Der Strauch an dem Überbau hat viele verscheidenfarbige Blüten, hier nicht so gut zu sehn weils schon relativ dunkel ist. Eine Stunde nach Aufnahem dieses Bildes, also 19 Uhr Ortszeit ist es hier Stockdunkel, jeden Tag, mit Ausnahme der Laternen etc., hier ist immer was los.
Die Treppe rechts bietet sich zum lesen an, man sitzt im Schatten und kann jederzeit einen Chai nachbestellen, so leicht kann das leben sein!
Donnerstag, 16. September 2010
Bilder, Bilder!
Die Tür im Hintergrund führt nicht in den Innenhof, sondern gibt Ausblick auf...
Und zu guter letzt eins der schönen Blütenmandalas, die jeden Tag frisch gemacht werden und den Brunnen in der Schule, der sich daran orientiert
Das wärs erstmal, aber eine Sache ist gibt's noch: Ich hab enldich hier eine neue Nummer bekommen (leider nicht fürs Iphone aber naja): 9246 3333 87 Unter dieser Nummer werd ich warscheinlich fast immer erreichbar sein, aber fragt bloß nicht, welche Vorwahl man unter welchen Umständen benutzen muss, dass dürft ihr selber herrausfinden!
Abonnieren
Posts (Atom)